Pharmaproduktion 4.0 - Die digitale Zukunft der pharmazeutischen Industrie

Industrie 4.0 gehört zu den meistdiskutierten Zukunftsthemen in allen Branchen. Der Pharmaindustrie hat man bisher nachgesagt, sie „verschlafe“ die Digitalisierung. Passender wäre: Pharma schläft nicht, muss aber noch viel klären.

Die vierte industrielle Revolution soll Herstellern eine neue Welt eröffnen: Maschinen, Materialien und Produkte kommunizieren über Sensoren und Netzwerke miteinander und steuern sich selbst. Die Produktion wird schneller, flexibler, individueller. Auch der Anlagen- und Maschinenlieferant wird dabei in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen – vor, während und nach dem Produktionsprozess. In vielen Fällen liefert er bereits bei der Entwicklung und beim Scale-up sein Know-how, die notwendigen Technologien und Dienstleistungen.

Chancen, Vorbehalte und realistische Erwartungen
Pharmaunternehmen wissen solche Möglichkeiten zu schätzen. In einer Studie von Bitkom bewerten 97 Prozent der Arzneimittelhersteller die Digitalisierung als große Chance. Für lediglich drei Prozent überwiegen die Risiken, bedingt durch fehlende Technikstandards oder Lücken in der Datensicherheit.
Zum großen Durchbruch der Industrie 4.0 ist es bei Pharma allerdings noch nicht gekommen. Das Handelsblatt betitelte vor rund eineinhalb Jahren einen Bericht mit „Pharma verschläft die Digitalisierung“. In der Studie der Camelot Management Consultants, auf die der Artikel Bezug nimmt, wird jedoch ein differenzierteres Bild gezeichnet. Demnach gewinnt das Thema Industrie 4.0 an Relevanz für Pharmaunternehmen. Es werde allerdings erst gegen 2030 oben auf der Agenda angekommen sein.

Für einige Geschäftsbereiche hat die Digitalisierung schon heute eine größere Bedeutung: An erster Stelle stehen Lieferketten und Logistik. Hier erwarten laut der Studie rund 60 Prozent der befragten Pharmaunternehmen bis 2020 einen starken Einfluss der Digitalisierung. Bis 2030 erhöht sich der erwartete Einfluss auf 95 Prozent. Bis wann die Bedeutung für die Produktion steigen wird, ist nicht unumstritten. Ein Drittel sagt, bis 2020, zwei Drittel sagen, bis 2030.

Von der Vision zum ersten Schritt
Diesem Stimmungsbild nach setzt sich Industrie 4.0 in der Pharmabranche langsamer durch als etwa in der Automobilindustrie. Dennoch wird sie auch hier die Agenda erobern und ein entscheidender Faktor im künftigen Wettbewerb sein. Eine langfristige Planung erscheint dabei keineswegs zu vorsichtig: Schließlich geht es um sensible Produkte und zugleich um fundamentale technologische Veränderungen.
Zum Teil finden solche Veränderungen schon heute in der Pharmaproduktion statt – noch nicht in der Gesamtschau, dafür in vielen konkreten Innovationen. Wer erste Schritte in Richtung Pharma 4.0 gehen will, ist beispielsweise mit den IT-gestützten Lösungen von Excellence United auf einem sicheren Weg.
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„Qualität 4.0“ weist den Weg
Besonders in einem hoch regulierten Umfeld wie der Arzneimittelherstellung müssen Veränderungen besonders sorgfältig geplant werden. Rückenwind erhalten Unternehmen auch von Behörden wie der Food and Drug Administration (FDA). Sie unterstützt mit ihren Initiativen die Umstellung auf die kontinuierliche Fertigung ebenso wie den Wechsel zu einer hoch integrierten, papierlosen Dokumentation. Auf dem Weg zu einer neuen Qualitätskultur sprechen Branchenexperten dabei verstärkt von „Qualität 4.0“. Der Begriff steht für ein Qualitätsmanagement, das die Produktion und alle zugehörigen Qualitätsdaten innerhalb des neuen digitalen Umfelds definiert. Damit ist der Weg zu Pharma 4.0 klarer erkennbar und letztlich nur noch halb so weit.